Führung & Entscheidung·4 min Lesezeit·29. März 2026

An der Spitze ist immer Platz.

Führung wird stets einer Elite zugeschrieben. „Ja, die da oben." Und denen da oben wird die Schuld für alles gegeben – für die Wirtschaft, für die Stimmung, für das eigene Leben. Als wäre das eigene Leben eine Angelegenheit der anderen.

Und genau da liegt die Lösung. Die jetzige Situation in meinem Leben ist nur mir zuzuschreiben.

An der Spitze ist Platz, weil die meisten aufhören, bevor sie anfangen.

Die Entscheidung, nicht zu entscheiden

Das Leben scheint einfacher zu werden, je weniger Verantwortung man übernimmt.

Wer keine Verantwortung übernimmt, muss sich nie selbst die Schuld geben. Das klingt bequem. Und genau das ist das Problem.

Also gibt man Entscheidungen ab. Lässt andere entscheiden. Hofft, dass es gut ausgeht.

In den über 30 Jahren im Personenschutz habe ich beobachtet, dass Menschen in Extremsituationen oft unfähig sind, zielgerichtete Handlungen schnell und präzise auszuführen. Sie verharren in einem Zustand, der sie leicht zum Opfer macht – weil die Eindrücke so auf einen einhämmern, dass jede Handlung unter dem Druck regelrecht zerquetscht wird.

Man ist vollgepumpt mit körpereigenen Drogen. Diese Drogen sollten einem eigentlich den nötigen Schub geben, um aus dieser Situation herauszukommen. Aber genau dieser Schub ist es, der für die meisten ungewohnt ist. Und dann kommt der Zweifel. Es ist wie eine Explosion, die einem klarmacht, dass man verloren ist. Man will abwägen – aber es fehlt die Zeit. Die Situation wird schlimmer. Immer auswegloser. Selbst einem guten Rat kann man in diesem Zustand nicht folgen. Selbst eine helfende Hand wird entnervt ausgeschlagen.

Man fühlt sich angreifbar, wehrlos, ausgeliefert. Impulsive Reaktionen machen es unmöglich, Klarheit zu empfinden – jene Klarheit, die einen in ruhigeres Fahrwasser bringen würde. Aber das Gegenteil ist der Fall. Alles wird schlimmer.

Jeder kennt diese Situation.

Der Unterschied liegt nicht in der Stärke. Er liegt in der Selbsterkenntnis. Wer früh versteht, dass er in solchen Momenten nicht versagt, sondern Daten sammelt – Daten, die ihm später nützen werden – der baut langsam aber sicher das nötige Selbstvertrauen auf. Nicht durch Vermeidung. Durch Wiederholung.

Ich erlebe dasselbe in Gesprächen mit Unternehmern und Führungskräften. Dieselbe Lähmung. Derselbe Zweifel. Und dieselbe Möglichkeit – sobald jemand aufhört zu warten und anfängt zu entscheiden.

Die Freiheit, sich zu entscheiden, bleibt. Immer. Denn auch die Entscheidung, nicht zu entscheiden, ist eine Entscheidung. Das ist wie mit der Disziplin der Disziplinlosen: Wer sagt, er habe keine Disziplin, setzt das jeden Tag konsequent durch.

Leider versteht das kaum einer.

Was Entscheider anders machen

Die, die entscheiden, übernehmen Verantwortung. Sie tun damit nichts anderes als alle anderen auch – nur bewegen sie sich nach vorne. Sie verändern etwas. Und das ist es, was antreibt. Was motiviert, Risiken einzugehen. Was einen Niederlagen überwinden lässt. Was einen wachsen lässt – über sich hinaus.

Was ich in der Begleitung von Geschäftsführern und Unternehmern immer wieder beobachte: Es ist nicht die fehlende Intelligenz, die sie aufhält. Es ist die fehlende Erlaubnis – die sie sich selbst nicht geben.

Entscheidungen zu treffen kann und muss man lernen. Das ist oft schmerzhaft. Aber es ist der Muskelkater der Erfolgreichen – die an Problemen wachsen, statt an ihnen zu scheitern.

Auch falsche Entscheidungen bringen einen weiter als keine. Wer das versteht, verliert die Angst vor dem Irrtum – und gewinnt die Freiheit zu handeln.

Eine Entscheidung muss nicht perfekt sein. Sie muss getroffen werden. Die meisten schlechten Situationen entstehen nicht durch falsche Entscheidungen – sondern durch keine.

Vielleicht kennen Sie das. Den Moment, in dem Sie wussten, was zu tun ist – und trotzdem gewartet haben. Nicht weil Sie es nicht konnten. Sondern weil niemand da war, der Ihnen sagte: Es ist richtig.

Führungskräfte Coaching: Was es mit Entscheidungen zu tun hat

Genau das ist der Kern meiner Arbeit als Coach. Nicht Motivation. Nicht Methoden. Sondern die Fähigkeit, in dem Moment zu entscheiden, in dem alles dagegen spricht.

Führungskräfte, die zu mir kommen, sind selten schwach. Sie sind oft erschöpft – von der Last, allein zu entscheiden. Vom Druck, keine Fehler machen zu dürfen. Vom Schweigen um sie herum, das sie für Zustimmung halten.

Im Coaching entsteht ein Raum, in dem Entscheidungen nicht bewertet werden – sondern entwickelt. Kein Urteil. Kein Applaus. Nur Klarheit. Das ist der Unterschied – zwischen dem, was man weiß, und dem, was man tut.

Warum die Spitze leer bleibt

Wenn also alle Entscheidungen treffen – bewusst oder unbewusst – warum sind gute Führungskräfte so selten? Und warum treffen sie wichtige Entscheidungen so oft allein?

Weil sich die meisten lieber hinter Entscheidungsträgern verstecken und hoffen, dass etwas von deren Erfolg auf sie abfärbt. Das führt nicht zu einem tragfähigen Selbstwertgefühl.

Und genau dieses Selbstvertrauen fehlt am häufigsten – nicht weil die Menschen schwach sind, sondern weil sie sich selbst nicht kennen. Weil sie ihre eigene Belastbarkeit nie erprobt haben. Wer das nicht weiß, überschätzt sich in ruhigen Zeiten und bricht in schwierigen zusammen. Er hat Angst vor der nächsten Runde – und schließt sich dem Tross der meckernden Mehrheit an.

Kaum einer traut sich, in diesen Kreis der angeblichen Elite einzusteigen. Aber es ist keine Elite. Es sind Menschen, die sich entschieden haben – die Verantwortung für ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Die Freiheit der Entscheider zu leben.

Deswegen ist an der Spitze immer Platz. Die meisten wollen dort gar nicht hin.

Ich habe Menschen erlebt, die unter echtem Druck zum ersten Mal in ihrem Leben eine Entscheidung getroffen haben. Nicht die richtige. Nicht die perfekte. Aber ihre eigene. Und das hat alles verändert.

Ein gutes Leben wartet auf die, die es sich nehmen.

Häufige Fragen

Warum sind gute Führungskräfte so selten?
Weil echte Führung bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – auch dann, wenn es schiefgeht. Die meisten Menschen vermeiden genau das. Sie entscheiden nicht, weil sie nicht scheitern wollen. Und wer nicht scheitert, wächst auch nicht.

Kann man Entscheidungsstärke trainieren?
Ja – aber nicht durch Theorie. Entscheidungsstärke entsteht durch das wiederholte Treffen von Entscheidungen unter Druck, das Tragen der Konsequenzen und die Reflexion danach. Wer das regelmäßig tut, baut eine Fähigkeit auf, die unter Druck trägt.

Was, wenn man Angst hat, die falsche Entscheidung zu treffen?
Diese Angst ist normal – und sie verschwindet nicht durch mehr Nachdenken. Sie verschwindet durch das Erleben, dass man auch mit einer falschen Entscheidung weiterkommt. Die meisten Fehler sind korrigierbar. Unentschlossenheit oft nicht.

Wenn Sie wissen wollen, wie der Weg dorthin konkret aussieht – für Sie, in Ihrer Situation: Schreiben Sie mir. Wer allein entscheidet und merkt, dass die Gespräche um ihn herum flacher werden, findet hier eine ehrliche Einordnung: Einsamkeit als Führungskraft.

Boris Cazin

Executive Coach und Sparringspartner für Unternehmer und Führungskräfte. 30 Jahre Personenschutz. 45 Jahre Kampfkunst. Köln / NRW – auch online.

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