Wem folgt man wirklich? Führung beginnt mit Sicherheit
Wem folgt man wirklich?
Intelligenz ist kein Garant für Führung. Sich klar und gebildet auszudrücken auch nicht. Abschlüsse und Zertifikate ebenso wenig. Geld, Anerkennung, Erfolg — all das sagt nichts darüber aus, ob jemand wirklich führen kann.
Also wem folgt man? Und wem folgt man gerade dann, wenn es darauf ankommt?
Vielleicht sind es die überzeugendsten Visionen, die eine Führungspersönlichkeit auszeichnen. Vielleicht ist es ein schmeichelhafter Umgang mit Menschen. Aber auch das ist es nicht, was Menschen dazu bringt, jemandem zu folgen. Die meisten spüren recht schnell, wenn jemand sich hinter Titeln und Versprechen versteckt.
Menschen folgen jemandem, der Sicherheit gibt. Sie folgen dem, der sich um ihre Belange kümmert — und nicht um sein eigenes Ego.
Was ich im Personenschutz gelernt habe
Ich habe das im Personenschutz erlebt. Nicht als Theorie, sondern am eigenen Körper und in den Gesichtern der Menschen um mich herum.
Wenn ich eine Familie unter Schutz nahm, veränderte sich die Atmosphäre im Haus. Kinder, die vorher angespannt waren, liefen wieder lachend durch die Räume. Ehepaare, die am Tisch gestritten hatten, saßen wieder ruhig zusammen. Eingeladene Gäste fühlten sich wieder wohl. Das hatte nichts damit zu tun, dass ich besonders charismatisch war oder besonders viel redete. Es war das Gefühl, das sich ausbreitete: Wir sind sicher. Jemand kümmert sich. Wir können loslassen.
Erst dieses Gefühl sorgte dafür, dass sich die gesamte Situation entspannte. Eine angenehme, stärkende Stimmung kehrte zurück. Das lässt sich leicht am eigenen Körper nachvollziehen: Nur wenn man sich sicher fühlt, kann man sich wirklich entspannen. Man kann abschalten. Man kann Witze machen. Man kann auch mal mit dem Rücken zur Tür sitzen.
Stress hingegen sorgt dafür, dass sich der Körper nicht sicher fühlt. Angespannte Gedanken rennen durch den Kopf, ohne Pause. Die Lebensqualität sinkt, die Gereiztheit steigt. Das überträgt sich auf das Umfeld, auf die Familie und auf das Team. Wer fühlt sich wohl in der Nähe eines dauerhaft angespannten Menschen? Wer sich nicht wohlfühlt, bringt nicht seine besten Leistungen. Das sichere Umfeld ist die Voraussetzung für alles andere.
„Ich merkte erst nach unserem ersten Gespräch, wie lange ich schon im Überlebensmodus geführt hatte. Nicht schlecht — aber nicht mehr ich.“
Sicherheit ist keine Schwäche
Viele Führungskräfte in hohen Positionen achten nicht mehr auf ihr eigenes Wohlbefinden. Der Job verlangt es so. Keine Zeit für Entspannung. Anspannung ist normal, das gehört dazu.
Das stimmt nicht. Es brennt einen aus.
Welche Schutzperson würde mir das Leben ihrer Kinder anvertrauen, wenn ich als Personenschützer ausgebrannt wäre? Wenn ich nicht das Gefühl der Sicherheit ausstrahlen würde? Nur wer sich in sich selbst sicher ist, seiner Sache sicher ist, strahlt genau diese Sicherheit aus. Und diese Sicherheit ist selten geworden.
Das häufigste Argument, das ich höre: Die Welt der Entscheidungen wird immer schneller. Deshalb bleibt keine Zeit für sich selbst. Das ist eine Ausrede. Eine, die davon abhält, auf die eigene Eigensicherung zu achten. Und dazu gehört es manchmal auch, Nein zu sagen. Einen Auftrag abzulehnen, weil er einen überlasten würde. In dem Moment hat man keinen Beweis dafür, dass es die richtige Entscheidung ist. Aber man hat das Gefühl, dass es besser ist, diesen nach außen hin unbequemen Weg zu gehen.
Wer außer einem selbst könnte das bestimmen? Genau das ist der Ausgangspunkt unserer Arbeit.
Der Weg nach innen
Das Gefühl der Sicherheit und der Eigensicherung ist etwas, auf das heute immer weniger Menschen hören. Die Welt nach außen muss stimmen. Die Welt innen werde ich schon irgendwann wieder richten.
So einfach ist das nicht.
Wer als Führungspersönlichkeit anderen Sicherheit geben will, muss sie zuerst in sich selbst finden. Das ist keine philosophische Aussage. Das ist eine praktische Voraussetzung. Im Personenschutz war es mein Job, diese Sicherheit zu verkörpern — jeden Tag, unter echtem Druck, ohne Ausnahme. In der Führungsarbeit ist es dasselbe.
Die Frage ist nicht, ob Sie gut führen können. Die Frage ist, ob Sie sich sicher genug fühlen, um es zu tun. Psychologische Sicherheit in der Führung ist keine Theorie. Sie ist das Fundament, auf dem alles andere aufbaut.
Wenn Sie merken, dass Sie funktionieren, aber nicht mehr wirklich führen, lesen Sie auch: Geschäftsführer Coaching Köln, 1:1 Coaching für Führungskräfte oder erfahren Sie mehr über Executive Coaching in NRW.
Häufige Fragen
Was bedeutet Sicherheit in der Führung?
Sicherheit in der Führung bedeutet nicht Kontrolle über alle Variablen. Es bedeutet, dass die Menschen in Ihrem Umfeld das Gefühl haben, dass jemand die Lage im Blick hat und dass sie sich darauf verlassen können. Dieses Gefühl entsteht nicht durch Worte, sondern durch Haltung.
Wie hängen Eigensicherung und Führungsqualität zusammen?
Wer sich selbst nicht sicher fühlt, überträgt diese Anspannung auf sein Umfeld. Das Team spürt es. Die Entscheidungen leiden darunter. Eigensicherung bedeutet, die eigenen Grenzen zu kennen und zu respektieren — auch wenn das kurzfristig unbequem ist.
Kann man Sicherheit ausstrahlen, wenn man selbst unsicher ist?
Kurzfristig ja. Dauerhaft nicht. Menschen spüren den Unterschied zwischen gespielter und echter Sicherheit. Wer die eigene Unsicherheit dauerhaft verbirgt, zahlt dafür einen Preis an Energie, an Klarheit, an Führungswirkung.
Für wen ist diese Arbeit geeignet?
Für Führungskräfte, die merken, dass sie funktionieren, aber nicht mehr wirklich führen. Die nach außen stabil wirken, aber innen spüren, dass etwas nicht stimmt. Die bereit sind, genau das anzuschauen.
Boris Cazin
Executive Coach und Sparringspartner für Unternehmer, Geschäftsführer und Führungskräfte. 30 Jahre Personenschutz auf höchstem Niveau. 45 Jahre Kampfkunst. Arbeitet deutschlandweit. Erstgespräch immer vor Ort.
