Coaching für neue Führungskräfte in Köln
Die gefährlichste Phase in einer neuen Führungsrolle ist nicht die, in der die ersten Konflikte aufbrechen. Sie ist die davor. Die Phase, in der alles ruhig läuft, in der niemand klagt, in der die Zahlen stimmen und die Meetings reibungslos verlaufen. Diese Phase erzeugt das Gefühl, angekommen zu sein. Und genau das macht blind.
Wer neu in einer Führungsrolle in Köln ist, wird beobachtet, bewertet und eingeordnet, bevor er selbst weiß, wo er steht. Das Team schaut, wie weit es gehen kann. Die Ebene darüber wartet, ob die Entscheidung richtig war. Und die neue Führungskraft zeigt Stärke, bevor sie weiß, was hier Stärke bedeutet. Das ist keine Frage der Kompetenz, sondern eine Frage der Sichtbarkeit.
Was die Ruhe verbirgt
Wer neu führt und sich in den ersten 100 Tagen in einer neuen Führungsposition orientiert, bekommt selten das volle Bild. Das Team zeigt, was es zeigen will. Konflikte, die seit Jahren schwelen, werden nicht sofort sichtbar. Loyalitäten, die das Unternehmen prägen, stehen nicht im Organigramm. Und die Erwartungen, die an die neue Führungskraft gestellt werden, werden selten offen ausgesprochen.
Was stattdessen passiert, ist Beobachtung. Jede Entscheidung wird registriert, jede Reaktion gedeutet, jede Aussage weitergetragen. Die neue Führungskraft befindet sich in einem Raum, in dem alle zuhören, aber niemand spricht. Und weil niemand spricht, entsteht der Eindruck, dass alles in Ordnung ist.
In Köln kommt hinzu, was die Stadt strukturell prägt. Die Netzwerke sind eng, die Wege kurz, die Verflechtungen alt. Wer neu in eine Führungsrolle kommt, tritt in ein bestehendes Geflecht ein, das er nicht kennt. Wer wen kennt, wer wem vertraut, wer welche Geschichte mit dem Vorgänger hatte. Das steht nirgendwo, wird nicht erklärt und muss gelesen werden.
Genau deshalb suchen Führungskräfte in dieser Phase jemanden außerhalb des Unternehmens, der keine eigene Agenda hat und klar sagt, was er sieht.
Was ich im Personenschutz gelernt habe
Ich habe einmal eine Schutzperson begleitet, für die es konkrete Hinweise auf einen bevorstehenden Anschlag gab. Sie lehnte ein vollständiges Team ab. Ich übernahm allein, getarnt als Fahrer.
Nach zwei Wochen bemerkte ich, dass wir beobachtet wurden. Menschen, die nicht in das Wohnviertel passten. Verhalten, das nicht zufällig war. Ich meldete das und bat um Verstärkung. Die Bitte wurde abgelehnt. Es war nichts passiert. Alles lief ruhig.
Nach fünf Wochen begann die Schutzperson, die Abläufe zu unterlaufen. Sie nutzte andere Ausgänge, ließ sich von ihrer Frau abholen, wartete nicht mehr. Die Ruhe der vergangenen Wochen hatte ihr das Gefühl gegeben, dass die Bedrohung übertrieben war. Dass ich übertrieben war.
Eines Tages setzte sie sich widerwillig in den Wagen. Kurz darauf scherte ein entgegenkommender Wagen mit hoher Geschwindigkeit aus dem Gegenverkehr aus und fuhr direkt auf uns zu. Ich riss das Steuer herum. Der Wagen schoss wenige Millimeter an uns vorbei. Wir entkamen.
Die Schutzperson erklärte der Polizei, es sei Zufall gewesen. Der Personenschutz wurde eingestellt. Das Argument war, dass es in fast drei Monaten zu keinem Übergriff gekommen war. Drei Tage später wurde sie schwer verletzt.
Manchmal kommen die Zeichen für einige Menschen ungelegen. Personenschutz bringt Unruhe mit sich. Abläufe müssen geplant werden, persönliche Einschränkungen müssen akzeptiert werden. Aber die gewünschte Ruhe lässt einen blind werden für Dinge, die für andere offensichtlich sind.
Dieselbe Dynamik, anderer Kontext
Was ich in dieser Situation gelernt habe, ist nicht auf den Personenschutz beschränkt. Die Ruhe, die blind macht, tritt überall dort auf, wo jemand neu in einer Verantwortung ist und das Umfeld noch keine klaren Signale sendet. In einer neuen Führungsrolle ist das die Regel, nicht die Ausnahme.
Die ersten Monate in einer neuen Führungsrolle laufen ruhig. Das Team testet noch, zeigt aber noch nicht, was es wirklich denkt. Die Probleme, die sich aufbauen, sind noch nicht sichtbar. Und weil nichts passiert, entsteht das Gefühl, dass alles gut ist.
Das ist der Moment, in dem Führungskräfte die folgenreichsten Entscheidungen treffen. Der Druck fehlt, also hören sie auf, genau hinzuschauen. Sie passen sich an das an, was das Umfeld von ihnen erwartet, anstatt zu klären, was sie selbst für richtig halten. Und wenn die Probleme dann sichtbar werden, ist der Spielraum kleiner als er zu Beginn war.
Wer in dieser Phase niemanden hat, der sagt, was er sieht, läuft in dasselbe Muster. Die Kompetenz ist vorhanden, aber das Gegenüber fehlt. Und das Gegenüber ist genau das, was Coaching in dieser Phase leistet.
Was Coaching in der neuen Führungsrolle leistet
Coaching für Führungskräfte in der Anfangsphase einer neuen Rolle ist kein Programm, kein Onboarding und keine Methode. Es ist ein Gespräch mit jemandem, der kein Interesse am Ausgang hat und der benennt, was man selbst nicht mehr sieht, weil man zu nah dran ist.
In den meisten Erstgesprächen kommt jemand mit einer konkreten Frage. Er will wissen, wie er mit einem Konflikt umgeht, wie er sich in einem Gremium durchsetzt oder wie er eine schwierige Entscheidung kommuniziert. Meistens stellt sich im Gespräch heraus, dass das nicht die eigentliche Frage ist, weil die eigentliche Frage darunterliegt. Und die zu stellen, braucht jemanden, der kein Interesse daran hat, eine bestimmte Antwort zu hören.
Kein Kollege kann das leisten, kein Mentor aus dem Unternehmen, kein Netzwerkkontakt, der selbst Teil des Geflechts ist. Wer in Köln neu in einer Führungsrolle ist, braucht jemanden außerhalb. Jemanden, dem er sagen kann, was er wirklich sieht, ohne dass es Konsequenzen hat. Und jemanden, der zurücksagt, was er sieht, ohne Rücksicht darauf, ob das angenehm ist.
Wer klar sieht, was gerade passiert, kann reagieren, bevor es zu spät ist. Wer das nicht hat, merkt es meistens erst dann, wenn der Spielraum kleiner geworden ist. Das erste Gespräch ist dafür da, herauszufinden, ob das hier das Richtige ist.
Interner Aufstieg oder externer Einstieg
Wer intern aufgestiegen ist, kennt das Unternehmen. Er kennt die Personen, die Konflikte, die ungeschriebenen Regeln. Das ist ein Vorteil, der gleichzeitig ein Gewicht mit sich bringt, denn er ist Teil der bestehenden Muster. Er hat eine Geschichte in diesem Haus. Manche werden ihn weiterhin so behandeln, wie sie ihn behandelt haben, bevor er Führungskraft wurde. Das ändert sich nicht automatisch mit dem neuen Titel.
Wer von außen kommt, hat dieses Problem nicht. Er trägt keine Geschichte mit sich. Er wird von Anfang an in der neuen Rolle wahrgenommen. Aber er kennt das Unternehmen nicht. Er weiß nicht, wer wirklich Einfluss hat. Er weiß nicht, welche Entscheidung vor drei Jahren zu welchem Konflikt geführt hat. Er liest die Situation ohne Vorwissen, und das kostet Zeit.
Beide Ausgangspunkte haben ihren Preis. Coaching in dieser Phase bedeutet, diesen Preis zu kennen und bewusst damit umzugehen. Der intern Aufgestiegene muss lernen, eine neue Rolle einzunehmen, ohne die alte zu wiederholen. Der extern Eingestiegene muss lernen, das Bestehende zu lesen, ohne es zu unterschätzen. Das sind unterschiedliche Ausgangspunkte, aber die Aufgabe ist dieselbe. Wer in dieser Phase ein Gegenüber hat, das klar sagt, was es sieht, nutzt die Zeit, in der noch Spielraum ist.
Wer in einer neuen Führungsrolle ist und wissen will, was er gerade nicht sieht, kann mir schreiben. Das erste Gespräch dauert so lange, wie es braucht. Hier geht es zum Erstgespräch. Weiterführende Artikel: Einsamkeit als Führungskraft | Klarheit unter Druck | Personenschutz und Führung | Executive Coach Köln.
Häufige Fragen zum Coaching für neue Führungskräfte in Köln
Ab wann macht Coaching in einer neuen Führungsrolle Sinn?
So früh wie möglich. Die Phase, in der alles ruhig läuft, ist die Phase, in der die Weichen gestellt werden. Wer dann ein Gegenüber hat, das klar sieht, nutzt diese Zeit. Wer wartet, bis etwas schiefläuft, reagiert nur noch.
Was unterscheidet Coaching in der Anfangsphase von regulärem Executive Coaching?
Der Fokus liegt auf dem Lesen der Situation. Wer neu in einer Rolle ist, hat meistens die Kompetenz. Was fehlt, ist das vollständige Bild davon, wer die Spieler sind, was die ungeschriebenen Regeln sind und wo die echten Entscheidungen getroffen werden. Coaching in dieser Phase ist Orientierungsarbeit.
Muss ich als neue Führungskraft Schwäche zeigen, wenn ich Coaching in Anspruch nehme?
Nein. Wer Coaching in Anspruch nimmt, zeigt, dass er klar sehen will. Das ist keine Schwäche. Wer sich hingegen so verhält, als ob er alles im Griff hat, während sich im Hintergrund etwas aufbaut, das er nicht sieht, der täuscht sich selbst.
Wie viele Gespräche braucht man in der Anfangsphase einer neuen Rolle?
Das hängt von der Situation ab. Es gibt keinen festen Zeitplan. Wer nach einem ersten Gespräch weitermachen will, arbeitet so lange mit mir, wie die Situation es erfordert.
Arbeiten Sie auch mit Führungskräften, die von außen in ein Kölner Unternehmen kommen?
Ja. Wer von außen kommt, hat einen anderen Ausgangspunkt als jemand, der intern aufgestiegen ist. Er kennt das Unternehmen nicht, aber er ist auch nicht Teil der bestehenden Muster. Beides hat seinen Preis. Coaching in dieser Konstellation bedeutet, das Neue zu nutzen, ohne das Bestehende zu unterschätzen.
Was passiert, wenn ich merke, dass die Rolle nicht das ist, was ich erwartet habe?
Das ist eine der häufigsten Erkenntnisse in den ersten Monaten einer neuen Führungsrolle. Wer früh merkt, dass etwas nicht stimmt, hat noch Spielraum. Wer es erst nach einem Jahr merkt, hat ihn meistens nicht mehr. Coaching hilft, diese Erkenntnis zu sortieren und zu entscheiden, was daraus folgt.
Boris Cazin
Executive Coach und Sparringspartner für Unternehmer, Geschäftsführer und Führungskräfte. 30 Jahre Personenschutz auf höchstem Niveau. 45 Jahre Kampfkunst. Arbeitet deutschlandweit. Erstgespräch immer vor Ort.
